Hinweis: Dieser Beitrag stammt aus dem Jahr 2014 und wurde im Oktober 2026 aktualisiert. Der Praxistest vergleicht den damaligen Raspberry Pi Model B mit dem Arduino Uno; die aktuellen Modelle stellen wir weiter unten vor.
Elektronik-Basteln war lange etwas für Spezialisten. Entwickler-Boards wie der Raspberry Pi und der Arduino haben das geändert: Sie sind günstig, kompakt und werden von einer riesigen Community mit Anleitungen, Gehäusen, Erweiterungen und Software unterstützt. Auf den ersten Blick sehen beide Boards ähnlich aus – in Wirklichkeit sind sie aber für sehr unterschiedliche Aufgaben gedacht. Welches Board passt zu welchem Projekt?
Der grundlegende Unterschied
- Raspberry Pi = Mini-Computer: Er hat einen leistungsfähigen Prozessor, Arbeitsspeicher, USB, HDMI und Netzwerk und läuft mit einem vollständigen Betriebssystem, meist Linux. Er eignet sich für alles, was ein kleiner PC kann: Server, Mediacenter, Smart-Home-Zentrale, Programmieren lernen.
- Arduino = Mikrocontroller: Er führt ein einziges, kompiliertes Programm (meist in C/C++) direkt aus, ohne Betriebssystem. Dafür startet er sofort, verbraucht sehr wenig Strom und kann Sensoren, Motoren und LEDs zeitgenau ansteuern.
Ein Vergleich ist daher eigentlich nicht ganz fair – viele Projekte nutzen sogar beide zusammen: den Arduino für die Hardware-Steuerung und den Raspberry Pi für Auswertung, Netzwerk und Bedienoberfläche. Die Einsatzgebiete reichen von Hausautomation über Robotik und Messtechnik bis zu Schulprojekten.
Von der Größe her sind beide Boards sehr kompakt; der getestete Arduino Uno ist etwa 20 % kürzer als der Raspberry Pi im Gehäuse.
Raspberry Pi Model B (Test 2014)
Der Raspberry Pi bringt viele Anschlüsse mit, die wir von Desktop-PCs und Notebooks kennen: USB, HDMI, Netzwerk und Audio. Das getestete Model B hatte zwei USB-Anschlüsse, die sich mit einem aktiven USB-Hub erweitern ließen.

- Chip: Broadcom BCM2835
- Prozessor: 700 MHz, ARM11-Familie (ein Kern)
- Grafik: Broadcom VideoCore IV
- Arbeitsspeicher: 512 MB RAM (erste Modelle: 256 MB)
- USB: 2x USB 2.0
- Video: HDMI 1.4
- Audio: 3,5-mm-Klinke
- Speicher: SD-Kartenleser
- Netzwerk: 100 Mbit/s Ethernet
- Stromaufnahme: ca. 700 mA
Als Betriebssystem nutzten wir Raspbian (heute „Raspberry Pi OS“), das speziell für den Raspberry Pi entwickelt wird. Nach dem Schreiben des Images auf eine SD-Karte bootet der Raspberry Pi und ist ein voll funktionsfähiger Mini-Computer, der sich nach Belieben programmieren und steuern lässt.
Arduino Uno (Test 2014)
Der Arduino Uno basiert auf dem 8-Bit-Mikrocontroller ATmega328P von Atmel (heute Microchip) und ist ein günstiger, direkter Einstieg in die Programmierung von Mikrocontrollern. Programme („Sketches“) werden in der kostenlosen Arduino IDE geschrieben und per USB übertragen.
- Chip: ATmega328P mit 16-MHz-Quarzoszillator
- Ein- und Ausgänge: 14 digitale I/O-Pins, 6 analoge Eingänge
- Flash-Speicher: 32 KB
- SRAM: 2 KB
- EEPROM: 1 KB
- Anschlüsse: USB, ICSP-Header
Die aktuellen Modelle
Seit unserem Test hat sich viel getan:
- Raspberry Pi 5 (seit 2023): Vierkern-Prozessor (Arm Cortex-A76, 2,4 GHz), je nach Version 2 bis 16 GB RAM, zwei 4K-HDMI-Ausgänge, Gigabit-Ethernet, WLAN, Bluetooth und eine PCIe-Schnittstelle, etwa für NVMe-SSDs. Er ist um ein Vielfaches schneller als das Model B von 2014 und taugt als einfacher Desktop-PC.
- Raspberry Pi Pico (seit 2021, Pico 2 seit 2024): Raspberry Pi baut inzwischen auch eigene Mikrocontroller-Boards mit den Chips RP2040 bzw. RP2350 – ein direkter Konkurrent zum Arduino, programmierbar in C/C++ oder MicroPython.
- Arduino Uno R4 (seit 2023): Der Klassiker mit einem 32-Bit-Mikrocontroller von Renesas, mehr Speicher und – in der Version „WiFi“ – mit WLAN und Bluetooth. Er ist mit den meisten bestehenden Uno-Erweiterungen (Shields) kompatibel.
- ESP32-Boards: Sehr günstige Mikrocontroller mit eingebautem WLAN und Bluetooth, die sich ebenfalls mit der Arduino IDE programmieren lassen und bei Smart-Home-Bastlern beliebt sind.
Welches Board für welches Projekt?
- Raspberry Pi: Mediacenter, Netzwerkspeicher, Werbeblocker wie Pi-hole, Smart-Home-Zentrale (z. B. Home Assistant), Webserver, Kamera-Projekte, Programmieren lernen mit Python.
- Arduino oder Pico: Sensoren auslesen, Motoren und LEDs steuern, Wetterstationen, Roboter, batteriebetriebene Projekte und alles, was sofort starten und zuverlässig in Echtzeit reagieren muss.
- Beides kombiniert: wenn Hardware-Steuerung und Rechenleistung, Bildschirm oder Internetanbindung zusammenkommen.
Fazit
Der Arduino ist ideal für einfache, hardwarenahe Steuerungsaufgaben, der Raspberry Pi dagegen ein vollwertiger kleiner Computer. Wer elektronische Schaltungen lernen will, beginnt am besten mit einem Arduino oder Pico; wer einen kleinen Server oder Linux-Rechner sucht, greift zum Raspberry Pi. Die Grenzen setzt in beiden Fällen nur die eigene Kreativität – viel Spaß beim Programmieren und Basteln!


















Yolo
30. Sep. 2015
very good
Franz Schubert
30. Sep. 2015
Danke für diesen tollen Vergleich!
Dans
29. Feb. 2016
The question is, can it run crysis?