Wie funktioniert VDSL-Vectoring?

Hinweis: Dieser Beitrag stammt aus dem Jahr 2020 und wurde im Oktober 2026 aktualisiert.

VDSL-Vectoring ist ein Verfahren, das mehr Geschwindigkeit aus bestehenden Kupfer-Telefonleitungen herausholt. Es unterdrückt die Störungen, die benachbarte Leitungen im selben Kabel gegenseitig verursachen. In Deutschland machte Vectoring Anschlüsse mit bis zu 100 Mbit/s möglich, Super-Vectoring sogar bis zu 250 Mbit/s – ohne dass neue Kabel bis ins Haus verlegt werden mussten. Wie funktioniert das, und welche Rolle spielt die Technik heute, wo immer mehr Haushalte Glasfaser bekommen?

Vectoring-Technik erklärt

Das Problem: Übersprechen im Kupferkabel

Bei VDSL liegt die Glasfaser bis zum grauen Kabelverzweiger am Straßenrand (FTTC, „Fiber to the Curb“); die letzten Hundert Meter bis zur Wohnung laufen über die alte Kupfer-Telefonleitung. In einem Kabel liegen viele solcher Leitungen dicht nebeneinander. Die Signale einer Leitung strahlen auf die Nachbarleitungen über – das nennt man Übersprechen (englisch crosstalk). Je mehr Nachbarn VDSL nutzen, desto stärker stören sie sich gegenseitig, und desto geringer wird die erreichbare Geschwindigkeit.

Die Lösung: Störungen gezielt auslöschen

Vectoring funktioniert ähnlich wie die Geräuschunterdrückung in Kopfhörern: Diese „hören“ unerwünschte Geräusche und erzeugen ein gleiches Signal mit umgekehrter Phase, sodass sich beide gegenseitig auslöschen.

  1. Die Technik im Kabelverzweiger (DSLAM bzw. MSAN) misst laufend, wie stark jede Leitung jede andere stört.
  2. Aus diesen Messwerten berechnet sie für jede Leitung ein Gegensignal.
  3. Dieses Gegensignal wird dem eigentlichen Datensignal schon vor dem Senden hinzugefügt (Precoding). Auf dem Weg zum Kunden heben sich Störung und Gegensignal auf.

Übrig bleibt ein deutlich saubereres Signal, das höhere Datenraten erlaubt. Vectoring ist im ITU-T-Standard G.993.5 definiert und ergänzt VDSL2 (G.993.2). Damit es funktioniert, muss auch der Router bzw. das Modem des Kunden vectoring-fähig sein.

Vectoring ist nicht zu verwechseln mit G.INP (G.998.4), das Leitungen unempfindlicher gegen kurze Störimpulse macht, und mit der Seamless Rate Adaptation (SRA), die die Datenrate im laufenden Betrieb an die Leitungsbedingungen anpasst.

Vectoring und Super-Vectoring

  • VDSL ohne Vectoring: meist bis zu 50 Mbit/s im Download.
  • VDSL-Vectoring: bis zu 100 Mbit/s im Download und 40 Mbit/s im Upload.
  • Super-Vectoring (VDSL2-Profil 35b): nutzt einen größeren Frequenzbereich und erreicht bis zu 250 Mbit/s im Download – allerdings nur auf kurzen Leitungen.

Der britische Netzbetreiber BT beschrieb Vectoring übrigens eher als Methode, die mögliche Geschwindigkeit zuverlässiger zu erreichen: Mehr Kunden sollten nahe an die Höchstrate herankommen, statt dass die Geschwindigkeit mit jedem neuen Nachbarn sinkt.

ADSL und VDSL2 Frequenzaufteilung

Die Leitungslänge entscheidet

VDSL hängt stark von der Länge der Kupferleitung ab: Je länger die Leitung, desto stärker wird das Signal gedämpft – und desto kleiner wird der Vectoring-Effekt. Ab etwa 500 Metern sinkt die Geschwindigkeit deutlich, bei rund einem Kilometer sind oft nur noch etwa 25 Mbit/s möglich. Für klassische DSL-Anschlüsse, die wegen Leitungsqualität oder -länge ohnehin langsam sind, bringt Vectoring kaum etwas. Gerade in ländlichen Gebieten, wo Häuser weit vom nächsten Kabelverzweiger entfernt liegen, hilft die Technik daher wenig.

Vorteile und Nachteile

Vorteile:

  • Nutzt die vorhandene Kupferinfrastruktur und ist deshalb viel günstiger als ein Glasfaserausbau bis ins Haus.
  • Lässt sich schnell ausrollen, weil keine Straßen und Grundstücke aufgegraben werden müssen.
  • Holt die letzten Reserven aus dem Kupfernetz heraus und überbrückt die Zeit bis zum Glasfaserausbau.

Nachteile:

  • Nur ein Anbieter pro Kabelverzweiger: Die Störunterdrückung funktioniert nur, wenn ein einziger Betreiber alle Leitungen steuert. Andere Anbieter können ihre eigene Technik dort nicht mehr einsetzen und müssen Vorleistungsprodukte mieten – in Deutschland war das ein großes Thema für den Wettbewerb.
  • Die Berechnung ist sehr rechenintensiv, weil jede Leitung mit jeder anderen verrechnet werden muss.
  • Auf langen Leitungen ist der Gewinn gering.
  • Die Geschwindigkeit bleibt weit hinter Glasfaser zurück, besonders im Upload.

Vectoring heute: Brückentechnik bis zur Glasfaser

Vectoring war in Deutschland lange die wichtigste Technik für schnelles Internet über die Telefonleitung, und Millionen Haushalte surfen noch heute damit. Inzwischen geht der Ausbau aber klar in Richtung Glasfaser bis ins Haus (FTTH), die symmetrisch Gigabit-Geschwindigkeiten und mehr ermöglicht. Weltweit hat Glasfaser DSL als wichtigste Breitbandtechnik bereits überholt, und langfristig soll das Kupfernetz in Deutschland abgeschaltet werden. Mehr zur Technik hinter Ihrer Verbindung erfahren Sie in unserem Artikel Wie funktioniert das Internet?

Häufige Fragen zu VDSL-Vectoring

Brauche ich einen speziellen Router für Vectoring?
Ja, das Modem im Router muss Vectoring unterstützen, für Super-Vectoring zusätzlich das Profil 35b. Aktuelle Router der gängigen Hersteller beherrschen das in der Regel; bei älteren Geräten lohnt ein Blick ins Datenblatt.

Warum erreicht mein Anschluss nicht die gebuchte Geschwindigkeit?
Meist liegt es an der Länge oder Qualität der Kupferleitung. Auch die Verkabelung im Haus, alte Telefondosen oder ein schlecht platzierter WLAN-Router können bremsen. Messen Sie die Geschwindigkeit per LAN-Kabel direkt am Router, um WLAN-Probleme auszuschließen.

Lohnt sich ein Wechsel zu Glasfaser?
Wenn Glasfaser an Ihrer Adresse verfügbar ist, meist ja: Sie ist schneller, stabiler, hat einen viel höheren Upload und ist zukunftssicher. Der Hausanschluss ist während einer Ausbauaktion oft kostenlos oder vergünstigt.

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IT-Berater und Softwareentwickler aus Deutschland mit mehr als 25 Jahren Erfahrung in Unternehmenssoftware. Schwerpunkt: Public-Key-Infrastruktur (PKI) und Zertifikats-Lebenszyklus-Management, dazu lokale KI und große Sprachmodelle. Betreibt techuni.de, Tech Crates und Student Life Online. Mehr auf carsten-kraft.com.